Gefällte Pappeln im Naturschutzgebiet
Uns haben mehrere besorgte Anfragen erreicht, da die Revierförsterei zahlreiche Pappeln im Naturschutzgebiet „Südlicher Priwall“ gefällt hat. Darf ein derartiger Kahlschlag sein? Wie passt das mit dem Naturschutzgedanken zusammen? Wir haben deshalb mit unserem Vereinsgeschäftsführer Matthias Braun gesprochen. Er kennt nicht nur den Priwall wie seine Westentasche, sondern ist auch über den Biodiversitätsschutz in eben jenem Gebiet promoviert worden. Sein Statement dazu:
„Tatsächlich ist an den […] Fällungen […] aus ökologischer Sicht nichts auszusetzen. Der Wald dort bleibt auch nach den Maßnahmen Wald und wird nicht irgendwelchen ‚Baumaßnahmen‘ o. ä. geopfert. Die Pappeln wurden in den 1950er Jahren gepflanzt, um den Sandboden der ehemaligen Spülfläche, die von 1914–1945 als Flugplatz genutzt worden war, für eine Waldentwicklung vorzubereiten. Nun können die gepflanzten Pappelbestände (gesetzt wurden seinerzeit zwei bis drei Hybridklone von Populus x canadense) und die dazwischen gepflanzten Erlen (Schwarz- und Grauerlen) keine natürliche Dauerwaldgesellschaft bilden, da diese Arten hier standortfremd sind (die Grauerle stammt aus dem Voralpenland und die Schwarzerle wächst auf Moorböden, die Kanadapappel ist keine Art) – der Wald ist demnach instabil und bereits heute in großen Teilbereichen von Natur aus abgängig.
Eine natürliche Waldgesellschaft würde hier aus Eichen, Birken, Espen, Weiden, früher Traubenkirsche etc. bestehen. Eine solche Waldgesellschaft entwickelt sich bereits dort, wo in Vorjahren durch Auflichtung der Kanadapappeln diese lichtliebenden Baumarten innerhalb kurzer Zeit aufwachsen konnten. Das [kann man] vom Wanderweg aus bspw. am Waldrand nördlich der Großen Wiese (hinter der Bank) sehen. Hier spielen zunächst auch der Weißdorn, Schlehen sowie Wildrosen als Unterholz eine bedeutende Rolle, die Singvögeln wie u.a. Grasmücken, Dompfaffen, Grünfinken, Amseln und Singdrosseln aufgrund ihrer wehrhaften Dornen sichere Bruthabitate bieten.“