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Naturschutzstation Dummersdorfer Ufer
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Pflegeherde an den Ballasthängen |
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„Nicht die Wirtschaft bestimmt unser Leben,
sondern allenfalls das Leitbild, das wir vom Menschen haben“ (E.-W. Raabe, 1960)
Entstehung
Aus dem massiven Protest gegen die begonnene Zerstörung des einzigartigen Naturschutzgebietes „Dummersdorfer Ufer“ bei Lübeck entwickelte
sich der 1977 gegründete „Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e.V.“ zu einem naturräumlich verankerten Umweltprojekt im Mündungsgebiet
der Trave. Heute ist der Verein länderübergreifend (MV/SH) in der gesamten Bioregion Untertrave, einem überregional bedeutsamen Brennpunkt der
Biologischen Vielfalt, aktiv. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf dem Erhalt und Schutz der einmaligen Artenvielfalt und Landschaft auf über
6.500 ha Fläche zusammenhängender Europäischer Schutzgebiete in beiden Bundesländern.
Die langfristige Bewahrung der Schönheit und Vielfalt der wassergeprägten Naturlandschaft kann langfristig aber nur durch einen bioregionalen
Schutzansatz gelingen, der die Bewahrung der Schönheit und Unberührtheit der Naturlandschaft ebenso umfasst wie eine nachhaltige Nutzung artenreicher
Trockenrasen, Salzwiesen und Niederwälder.
Daher begannen wir 1987 mit dem Aufbau der Naturschutzstation Dummersdorfer Ufer in privater Trägerschaft des Landschaftspflegevereins.
Von hier aus wird heute die Betreuung der gesamten Bioregion organisiert. Im Vordergrund der Arbeit stehen die wissenschaftliche Erforschung,
die Pflege wertvoller Lebensräume als auch die umweltpädagogische Bildung. Hierbei muss und soll in einem ganzheitlichen, integrativen Ansatz
die entscheidende Balance zwischen Schutz und Nutzung, dem Erhalt der Artenvielfalt und den Ansprüchen der Menschen gefunden werden.
Integrierender Naturschutz
Integration bedeutet die aktive Einbeziehung des Menschen
Viele Anwohner nutzen Naturschutzgebiete zur Erholung und sind allein aufgrund dieser Erfahrung und Wertschätzung mit ihrer Erholungslandschaft
verbunden. Allerdings sind Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit in stark besuchten Gebieten notwendig, um die Unversehrtheit der Landschaft –
um derentwillen der einzelne Besucher kommt– auch nachhaltig zu erhalten. Solche Selbstbeschränkungen haben wir am NSG „Dummersdorfer Ufer“
gemeinsam mit den Anwohnern entwickelt, wobei ihre Anregungen und Vorschläge mit in die Schutzgebietsverordnung aufgenommen wurden. So wird
Naturschutz von (fast) allen Menschen verstanden und unterstützt.
Zur Erhaltung des von Trockenrasen geprägten Landschaftsbildes am Dummersdorfer Ufer gehört aber nicht nur der Schutz sondern auch eine
extensive und fachkundige Pflege, da andernfalls das Gebiet schnell von Büschen und Bäumen überwuchert würde.
Hierzu bedient sich der Verein der traditionellen extensiven Beweidung der Flächen mit Schafen. Als Naturschutzverein arbeiten wir nach
den Regeln des biologischen Landbaues als ein anerkannter Biologischer Betrieb.
Regionale Kooperationspartner
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Getreideernte |
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Der Verein kann jedoch nicht alle schutzwürdigen Lebensräume pachten oder kaufen. Viele Schutzgebietsflächen befinden sich zum großen Teil
in Privatbesitz und werden im Rahmen der konventionellen Landwirtschaft genutzt. Hier wollen wir erreichen, daß die Ziele des Natur- und
Landschaftsschutzes in Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten durch Beratung und Erfolgskontrolle ebenfalls erfolgreich realisiert werden
können. Hier besteht unsere Arbeit darin, Wege aufzuzeigen, wie die Natur auch für diese Beteiligten einen sichtbaren Nutzen haben kann.
Ist dieser Weg einmal gegangen, können aus Beteiligten Partner werden, die Ihren Nutzen (auch) im Nutzen der Natur sehen.
Kooperationspartnern können Gemeinden, Verbände, Landwirte, Jäger, Schulen und Kindergärten, Künstler, Tourismuswirtschaft sowie nicht
zuletzt Naturschutzverbände und Behörden sein.
Gemeinsam entwickelt sich bei allen Kooperationspartnern ein wiedererlangtes Bewußtsein der Verbindung zwischen Natur und Kultur. In
dieser primären Gestaltungssphäre des Menschen entstand nicht nur die heutige Kulturlandschaft, das Bild der Natur beeinflusste auch Baustile,
Literatur, Musik sowie das Alltagsleben und darüber Sitten und Gebräuche. Nicht zu vergessen sind außerdem die reichhaltige regionale Küche,
die Heilkunde und selbst die Naturwissenschaften.
Zunehmend gemeinsam ist allen aber auch das Bewußtsein der Bedrohung dieser unserer Lebensgrundlagen. Die Gefahr, dass der unermessliche
erscheinende Reichtum der Natur verbraucht werden kann, daß das enorme Regenerationsvermögen irgendwann endet, tritt immer deutlicher hervor:
Denn wohin verschwanden die weißen Brutkolonien kreischender Seevögel am Ostseestrand und die Kiebitze der Travewiesen? Wo findet der Wanderer
noch Stranddistel, Lungenenzian und Kuhschelle?
Es mag dies manchem noch als eine Nachricht für eine begrenzte Trauergemeinde von Spezialisten und Abtrünnigen gelten, die Verarmung der
Natur schreitet aber immer stärker voran. Wenn diese Verödung erst soweit um sich gegriffen hat, daß auch der Letzte etwas mitbekommen hat,
ist es zum Umsteuern zu spät.
Aber versuchen müssen wir es.
Hierzu setzen wir an mehreren Stellen zugleich an:
Bildung und Natur
Nachhaltige Entwicklung ist eine Generationenaufgabe. Eine unsere wichtigsten Aufgaben ist die Aufklärung und Sensibilisierung unserer
Kinder und Jugendlichen.
Daher haben wir einen Naturkindergarten aufgebaut. Hier entwickeln sich die Kleinsten spielerisch in der Natur. Wir sind sicher, dass
dieses zunächst noch ganz wertfreie Spiel den Kindern auf ihrem weiteren Lebensweg hilft, eine eigene Beziehung zur Natur aufrechtzuerhalten
und auszubauen.
Leider können wir nicht alle Kinder in unserem Kindergarten aufnehmen. Aber wir haben für andere Kindergruppen mit dem Naturerlebnisraum
auf dem Schafberg ein ganzjähriges, betreutes Angebot aufgebaut, das von Kindergartengruppen, Hort- und Schulkindern sowie bei Kindergeburtstagen
und anderen Gelegenheiten sehr gerne angenommen wird. Für Erwachsene bieten wir insbesondere vertiefende Erfahrungen zur kulturellen
Auseinandersetzung mit der Natur an: Ökologische Landwirtschaft, Pflanzenheilkunde und Wildpflanzenverwendung sind einige unserer Schwerpunktthemen.
Für größere Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene bauen wir zusätzlich in Pötenitz/Ostsee (Mecklenburg) ein Zugvogelzentrum auf, das den
Besucher den Vogelzug an einer international bedeutsamen Vogelzuglinie unmittelbar erlebbar macht.
Schutz durch Nutzung
Unsere heutige Kulturlandschaft mit ihrer Vielfalt an Landschaftsbildern, Arten und Lebensräumen hat sich nach der mittelalterlichen
Waldrodungsperiode durch bäuerliche Nutzung entfaltet. Erst durch die nach 1950 erfolgten Rationalisierungsschritte (Melioration, Agrochemie)
und Flurbereinigung kam es zu dem heute beklagten großen Schwund heimischer Landschaftsbilder und dazugehöriger Lebensräume und Arten. Durch
staatliche Programme und die finanzielle Förderung der Massenproduktion verschwanden zunächst „störende Elemente“ wie Weiher und Knicks.
Inzwischen ist es unter dem Druck der niedrigen Weltmarktpreise nicht einmal mehr möglich, auch nur die verbliebenen Relikte pfleglich zu nutzen.
Versuche von Naturschutzvereinen solche Flächen zu übernehmen, scheitern meist ebenfalls am Geld.
Kräuterlamm
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Heidschnucken |
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Wirtschaftliches Ziel der großflächigen Landschaftspflege durch die Weidetierhaltung unseres Vereins ist es daher, über eine
Qualitätssteigerung der nachhaltig erzeugten Nahrungsmittel die fehlende Quantität zu kompensieren. Dies geht bis zu einer gewissen
Größenordnung über den Weg der Direktvermarktung. Darüberhinaus nutzen wir die Möglichkeiten des inzwischen vorhandenen Biomarktes.
Hierfür haben wir die Anerkennung als ökologisch wirtschaftender Betrieb erhalten.
Zur Pflege der wertvollen Magerrasen am Dummersdorfer Ufer setzen wir futtergenügsame Heidschnucken, Pommernschafe sowie Burenziegen
und Galloways ein. Diese anspruchslosen alten Haustierrassen erhalten die blühenden Weiden unseres Naturraumes am besten, indem sie
Dornensträucher, Disteln und Brennnesseln zurückdrängen. Das Fleisch dieser Tiere ist durch das langsame Wachstum auf den kräuterreichen
Weiden von ganz besonderer Qualität, was durch den Preis honoriert wird.
Wildsamenvermehrung
Artenreiche Wiesen und Weiden sind heute bereits Mangelware im wahrsten Sinne des Wortes. Überall werden bei Begrünungsmaßnahmen
großflächig so genannte „Landschaftsrasen“ ausgesät, die in genetischer Hinsicht mehr Ähnlichkeit mit dem Fußballplatzgrün als mit einer
natürlichen Wiese haben. Die Naturschutzstation bietet daher, als ökologisch sinnvolle Alternative, Wildblumensaat (Regiosaat) an, die aus
Wildsammlungen vor Ort vermehrt worden ist. Die Pflege (Mahd) der dafür benötigten naturnahen Wiesen bezahlt sich durch den Verkauf der
Samen, wobei gleichzeitig die jeweiligen Arten eine reelle Chance zur weiteren Ausbreitung erhalten. So schließt sich der Kreis.
Projektmanagement: Beispiel Pötenitz
Wo es ökologisch noch nicht zu spät ist und wo sich Kooperationspartner anbieten, können geschädigte Landschaften regeneriert werden.
In der Gemeinde Pötenitz, dem mecklenburgischen Teil des Priwalls, führen wir ein Moorschutzprojekt (Küstenüberflutungsmoor) für das Land
Mecklenburg-Vorpommern durch. Das 1935 eingedeichte Gebiet soll im Jahre 2004 wieder einen freien Wasserzustrom aus der Ostsee (Pötenitzer
Wiek) erhalten. Die Pötenitzer Wiesen können sich daraufhin zu einem Küstenvogelparadies entwickeln. Die entstehenden Salzwiesen und
flachen Lagunen werden Rastplatz und Lebensraum für viele Watvögel wie Strandläufer und Regenpfeifer aber auch Möwen, Wildgänse und Enten sein.
In einem verantwortungsvollen Maße werden aber auch für Touristen, Schulklassen oder andere Interessierte Zugang und
Beobachtungsmöglichkeiten zu dieser Landschaft geschaffen. Zusammen mit dem für die Wiesenpflege (Beweidung, Mahd) notwendigen Landwirt,
der Gemeinde und den Naturschutzbehörden wird ein tragfähiges Bewirtschaftungskonzept entwickelt. Vom entstehenden Zugvogelzentrum aus
wird die Entwicklung zudem wissenschaftlich begleitet und der Besucher informiert.
Bioregionales Monitoring
Der Untertraveraum, ein Brennpunkt der Artenvielfalt in Norddeutschland, beherbergt eine große Anzahl von natürlichen und kulturbedingten
Lebensräumen und Arten. Bei der Erhaltung und stellenweisen Wiederherstellung der natürlichen Vielfalt muss sorgfältig und mit Bedacht
vorgegangen werden. Neben der Erfassung des Artenspektrums sind u. a. historische und überregionale Vergleiche notwendig, um hieraus
Naturschutz-Leitbilder für den Gesamtraum wie für seine Teilgebiete und Lebensgemeinschaften zu erarbeiten. Schließlich müssen die ergriffenen
Maßnahmen beurteilt und ihre Umsetzung kontrolliert werden, wenn man die Entwicklung steuern und bestimmte Arten oder Lebensräume auf Dauer
erhalten will. Durch kurze Wege zu den Kooperationspartnern, die vielfältig vertretenen Berufe an der Naturschutzstation sowie die
administrative Unabhängigkeit, sind rasche und unkomplizierte Reaktionen möglich.
Region Aktiv Lübecker Bucht (RALB)
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Heuernte mit freiwilligen Helfern |
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Der LPV arbeitet prägend an der Entwicklung der regionalen Zusammenarbeit in der Region Lübecker Bucht mit. In dieser aus einem
bundesweiten Wettbewerb des Verbraucherschutzministeriums hervorgegangenen regionalen Partnerschaft der Landkreise Nordwestmecklenburg,
Ostholstein, Herzogtum Lauenburg und der Stadt Lübeck werden seit Frühjahr 2003, abseits von Behördenstrukturen, sachliche Kooperationen
und Projekte zum Wohle der gesamten Region initiiert. In der „Region Aktiv Lübecker Bucht“ genannten Initiative sind unterschiedlichste
Partner wie Bauern, Naturschützer und Tourismusvertreter, Tierschützer, Landwirte aber auch der Einzelhandel vertreten.
Die Idee, die vor vielen Jahren mit einem kleinen, aber unabhängigen Naturschutzprojekt begann, setzt sich somit in immer größeren
Kreisen durch und beginnt allmählich, eine ökologischer geprägte Zukunft zu gestalten.
Für zahlreiche ökologische Projekte suchen wir laufend Freiwillige Helfer, Schulpatenschaften und ehrenamtliche Unterstützung.
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